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  • Autorin Christel Scher im Interview: Über „Die Dämonen von Martz” und die dunkelschöne Seite des Schreibens

    Autorin Christel Scher im Interview: Über „Die Dämonen von Martz” und die dunkelschöne Seite des Schreibens

    Nicht erst als wir uns auf dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig auf einen Kaffee nach der Lesung von Markus Heitz verabredet haben, war klar: Die Liebe zum Düsteren, zum Schaurigen, zum Dunkelschönen haben Autorin Christel Scher und ich gemeinsam. Kein Wunder, dass das so gut gepasst hat mit der Zusammenarbeit! Ihren Dark-Fantasy-Roman „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” habe ich in zwei schönen und intensiven Lektorats-Runden begleiten dürfen. Eines meiner Lieblings-Projekte aus inzwischen zweieinhalb Jahren Selbstständigkeit.

    Keine Frage also, dass ich Christel auch unbedingt für meinen Blog zu einem Interview bitten wollte.

    Über die detailreiche Schönheit der viktorianischen Epoche, über das Lachen und Leiden und Lieben mit den eigenen Charakteren – und darüber, was Morgenmantel und Flauschsocken mit ihrem Schreiben zu tun haben.


    Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

    „Am nächsten Abend habe ich am Rechner gesessen und „Die Dämonen von Martz” geschrieben. Das war wie ein Rausch …“

    – Christel Scher, Autorin

    Das Interview mit Christel Scher

    Liebe Christel, erzähl uns ein wenig über „Die Dämonen von Martz” – was erwartet die Lesenden in dem Buch?

    „Die Dämonen von Martz” ist ein Dark-Fantasy Roman und der Zusatz „Dark” ist durchaus ernst zu nehmen. In einer viktorianisch inspirierten Welt trifft der vampirische Uhrmacher Zavin auf die stumme Prostituierte Aurelia. Diese Begegnung überlebt sie nur knapp und Zavin bietet ihr einen Handel an: ein Schlupfloch in eine bessere Zukunft gegen ihr Stillschweigen. Mit dieser vermeintlichen Lösung fangen die Probleme aber erst richtig an. 

    Das Buch ist stellenweise schonungslos und blutig, dann aber auch wieder sehr zart.

    Die Lesenden können sich auf eine dichte Atmosphäre freuen, auf einen bildhaften Schreibstil, auf Düsterromantik, Übernatürliches, moralische Dilemmata und auf zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die diese Geschichte erzählen. Eine starke Frau und ein außergewöhnlicher Mann, der eben das gar nicht sein will.

    Wer ist Christel Scher? Was müssen Lesende unbedingt über dich wissen, was macht dich als Autorin aus?

    Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing
    Christel Schers Debütroman „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut”

    Ich bin ein Gefühlsmensch durch und durch. Ich bin keine Autorin, die ihre Geschichte von Anfang an streng durchplant. Ich leide, lache und weine mit meinen Charakteren. Ich lass mich von Gefühlen leiten und lasse mich auf Überraschungen ein. Als Aurelia und Zavin sich trafen, wusste ich tatsächlich noch nicht, ob sie Feinde oder Freunde werden. Ich habe Rückmeldungen bekommen, dass die Beziehungen zwischen den Charakteren sich sehr natürlich anfühlen und entwickeln, dass man das Gefühl hat, sehr nah am Geschehen dran zu sein und es durchweg spannend bleibt. Ich denke, das hat viel mit der Art zu tun, wie ich an das Schreiben herangehe. 

    In meinem Zweitjob habe ich als Sozialarbeiterin zudem mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Menschen und Lebensgeschichten zu tun. Und auch wenn ich niemals (!) einen Klienten zum Vorbild für einen Buchcharakter nehmen würde, habe ich durch diesen Beruf doch eine Menge über menschliche Motive gelernt und wie tief diese manchmal in den Biografien verwurzelt sind. Ich denke, dass mir das sehr dabei hilft, glaubwürdige Charaktere zu erschaffen.

    Was sind die größten Einflüsse auf dein Schreiben? Was inspiriert dich?

    Zum Ersten sicherlich das 19. Jahrhundert, in dem auch düstere Werke wie Frankenstein oder Dracula entstanden. Wissenschaft und der Glaube an Übernatürliches waren teilweise abstrus miteinander verwoben. 

    Die Ästhetik der viktorianischen Epoche, die Kleidung, Treppengeländer, Fenster, Besteck … alles hatte eine detailreiche Schönheit (jedenfalls in reichen Haushalten). Und gleichzeitig war es eine Zeit voller unhaltbarer gesellschaftlicher Zustände. Diese Gegensätze haben den Bau meiner Welt stark inspiriert.

    Natürlich habe ich schon viele, unzählig viele, Vampirgeschichten gelesen und geliebt. Was mein eigenes Kopfkino in Gang bringt, ist aber eher Visuelles, vielleicht, weil mein Kopf dabei abschalten kann. Wenn es einen Tag einfach nicht klappen will, klicke ich mich durch Pinterest oder sehe mir Filme an. Zum Beispiel Bram Stokers Dracula, Interview mit einem Vampir, die Serie Penny Dreadful, oder manchmal auch uralte Sachen, in denen Filmemacher sich noch Mühe gegeben haben, eine schaurige Atmosphäre zu erschaffen. Manchmal braucht es nur wenige Bilder oder einen Dialog, um die Tore meiner eigenen Buchwelt wieder zu öffnen.

    Nimm uns doch ein bisschen mit auf eine Zeitreise: Was ist die Entstehungsgeschichte des Romans?

    Der wirkliche Anfangspunkt ist schwer zu benennen. Ich habe erst letztens Textpassagen wiedergefunden, die ich mit 16 Jahren geschrieben habe. Es ging um eine Fantasywelt, um eine Frau, die es schwer im Leben hat, und einen Vampir. Erste Ideen für die Dämonen von Martz erkenne ich darin wieder, aber ich hatte mich damals noch lange nicht gefunden. Das war die Zeit der „Herr der Ringe”-Filme und ich war fasziniert von High Fantasy. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich gemerkt habe, was mir wirklich liegt. 

    Es folgten Jahre, in denen ich mich selbst unter Druck gesetzt habe, irgendwann vom Schreiben leben zu wollen, und dieser Druck war vollkommen kontraproduktiv. Ich war gedanklich nie frei. Tatsächlich gab es einen Abend Ende 2021, an dem ich mir ehrlich eingestand: Es klappt nicht. Du wirst nie ein Buch schreiben. 

    Am nächsten Abend habe ich am Rechner gesessen und „Die Dämonen von Martz” geschrieben. Das war wie ein Rausch, der mein Leben erheblich bereichert hat.

    Wie schreibst du? Hast du bestimmte Rituale?

    Um nach der Arbeit abzuschalten, trinke ich meist erst in Ruhe einen Kaffee und bespreche den Tag mit meinem Mann. Dann ziehe ich mich in meine Schreibecke zurück, mache eine Kerze und Räucherstäbchen an und suche mir sanfte Hintergrundmusik heraus. Ich brauche Ruhe, um kreativ zu sein. In einem Café zu schreiben, könnte ich mir zum Beispiel nicht vorstellen. Zu viele Gespräche, zu viele Reize, zu viele Stimmungen in der Luft. Was das angeht, bin ich häufig sehr „Zavin” und schnell reizüberflutet. Nein, da schreibe ich lieber zuhause in meiner sicheren Höhle, eingehüllt in Bade- oder Morgenmantel. Ja, das ist sozusagen zu meiner Arbeitskleidung geworden. Morgenmantel und Flauschsocken bedeutet: Schreibfokus. Darauf hat mein Kopf sich mittlerweile eingestellt. 

    Den Roman zeichnet eine gewisse Düsternis aus, er ist geprägt von Motiven, Schauplätzen und Elementen, die in ihrem Kern recht … gothic sind. Hast du selbst einen Bezug zur Schwarzen Szene?

    Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing
    Schonungslos düster und dunkelschön: „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” – nicht nur für Gothic-Fans!

    Ja, mein Herz schimmert schwarz. Seit Anfang 20 fühle ich mich in der Szene zuhause. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die ich als meine zweite Familie bezeichne. In der schwarzen Bubble konnte ich wachsen und aufblühen. Mein Buch ist nun ein Schritt heraus aus diesem sicheren Raum. Aber dieser Schritt hat mich bis jetzt sehr positiv überrascht.

    Ich denke, vielen, die Bezug zur Szene haben, könnte mein Buch gefallen, aber auf keinen Fall muss man diesen Bezug haben, um es zu mögen. Ich habe Komplimente für das Buch von knalligbunt angezogenen Menschen mit ganz anderem Background bekommen, und das ist wunderschön.

    Tiefrotes Blut fließt übers Cover, und ein Blick auf den Klappentext verrät: Mit „Die Dämonen von Martz” haben wir einen Vampirroman in der Hand. Allerdings einen mit deinem ganz eigenen Take dieses klassischen Stoffes. Was ist der Unterschied der bekannten Vampire zu deinen Dämonen?

    Bei mir ist der Vampirismus ein Fluch, der auf Zavins Familie liegt und regelmäßig bei Familienmitgliedern zutage tritt. Man wird in diesen Fluch hineingeboren und nicht durch einen Biss erschaffen. Da der Fluch ein Tabuthema in Zavins Familie ist, steht dieser mit der Problematik alleine da. Er hat absolut keine Ahnung, was er ist und warum. All die bei uns bekannte Folklore gibt es in seiner Welt nicht. Er ist dadurch extrem verloren und orientierungslos. 

    Meine Dämonen sind blutdurstig. Wenn sie kein menschliches Blut trinken, werden sie schwächer, bis sie in ein Wachkoma fallen. Dennoch können sie normal essen und trinken, haben einen Herzschlag und ihre Körper sind nicht unveränderlich. Sie können altern. Sie reagieren extrem sensibel auf Reize wie Geräusche oder helles Licht, aber es bringt sie nicht um. Sie schlafen in Betten und können durchaus tagaktiv sein. Es gibt körperliche Merkmale und übernatürliche Aspekte, die sie mit etwas Geschick aber verstecken können. 

    Theoretisch könnten meine Dämonen unbemerkt ein ganz normales Leben führen. Eine erfüllende Arbeit, Ehepartner, Kinder … Ich denke, darin liegt eine besondere Tragik von meiner Vampirversion. Zavin hat sein Wunschleben vor sich, er streckt sich danach aus, kann es schon mit den Fingerspitzen ertasten und kommt doch nicht heran, weil da dieser blutdurstige, häufig auch mörderische Teil in ihm ist.

    Bevor es ein Buch wurde, ging dein Manuskript durch ein intensives Lektorat – und ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich die Zusammenarbeit genossen habe. Wie erging es dir mit dem Lektorat? Was war dein größter Aha-Moment?

    Der erste große Moment war das Gefühl, wirklich eine passende Lektorin gefunden zu haben. Ich hatte das Gefühl, dass du zutiefst verstanden hast, was ich da tue und wo ich damit hin will. Da wusste ich: Das hier wird bei aller geäußerter Kritik ein konstruktives Miteinander und meine Ängste, „zerpflückt” oder in eine ungewollte Richtung gedrängelt zu werden, lösten sich in freudiger Erleichterung auf.

    Ein weiterer Aha-Moment war der Hinweis nochmal näher und detaillierter auf Aurelias Körpersprache und Gebärden einzugehen. Ich hatte das alles beim Schreiben vor dem inneren Auge gesehen, aber noch nicht ausreichend beschrieben. Mich Aurelia nochmal zu nähern und ihre Form der Sprache noch intensiver zu verstehen, hat sowohl das Buch weitergebracht als auch mich persönlich.

    Und der größte Aha-Moment war sicherlich nach dem Ende des Entwicklungslektorats, als ich dann bemerkte, wie rund die Geschichte dadurch geworden ist. Es war immer noch meine Geschichte, meine Sprache, aber veredelt. Da dachte ich: WOW, das wird jetzt ein richtiges Buch!

    Wie geht es weiter? Welche Ideen schlummern noch in deiner Schublade? Sitzt Christel Scher schon an einem neuen Buchprojekt?

    „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” ist als Einzelband wunderbar lesbar. Trotzdem sind einige übergeordnete Fragen offen geblieben. Mir war schon früh klar, dass ich mich länger als nur einen Roman in der Welt von Aurelia und Zavin aufhalten möchte. 

    Die Fortsetzung kribbelt mir bereits in den Fingern. Es wird Winter in Martz und vor dem inneren Auge sehe ich tiefrotes Blut in weißen Schnee tropfen. Ich freue mich darauf, einige Charaktere noch näher zu beleuchten und früher oder später auch das Umland von Martz zu erkunden. Steilküsten, Sumpf, Felsen und dichte Wälder, darauf freue ich mich. „Projekt Nachtfalter” wird die Protagonisten wieder vor so manche schwierige Entscheidung stellen und in allerlei Gefahren stürzen.

    Eine Fee mit einem Zauberstab steht vor dir, die alles möglich machen kann: Was wünschst du dir für „Die Dämonen von Martz”?

    Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch erfährt, dass es mein Buch gibt. Nicht jeder muss es mögen, aber jeder soll davon erfahren.

    Aber während ich auf die Fee warte, fange ich schonmal an und versuche selbst alles Menschenmögliche, verteile Flyer, verbessere meine Social-Media-Skills und lese aus meinem Buch vor, wo immer sich die Gelegenheit ergibt. Vielleicht darf ich mir von der Fee aus der Ferne ja schonmal den ein oder anderen Kraftboost dafür wünschen.

    Vielen Dank für das Interview, liebe Christel!
    Ich bin mir sicher, Fans der düsteren Phantastik werden noch viel von dir hören – und vor allem lesen.
    Das war erst der Anfang!

    Lektorat Papiervogel, Portfolio: Lektorat – Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

    Klappentext

    „… dass es mir gefällt, verdammt gut gefällt, es dem Leben heimgezahlt zu haben. Diesem verdammt überheblichen Strippenzieher, der aus mir eine Hure machte und aus dir einen Dämon.”

    Blutdurst beherrscht sein Dasein. Demütigungen das ihre.
    Tagsüber führt Zavin Wechem das gutbürgerliche Leben eines Uhrmachers, nach Einbruch der Dunkelheit trinkt er das Blut ahnungsloser Menschen in den Gassen von Martz. In einer schicksalhaften Nacht kreuzt sein Weg den der stummen Prostituierten Aurelia. Sie überlebt die Begegnung nur knapp – und das sorgsam gepflegte Lügengeflecht droht auseinanderzubrechen.
    Um sein Geheimnis zu bewahren, bietet er ihr einen Handel an: ein Schlupfloch in eine bessere Zukunft gegen ihr Stillschweigen. Aurelia hadert – mit sich selbst und mit Zavins Natur. Doch bald erkennen beide, dass sie mehr verbindet als ein fragiles Gleichgewicht.
    Indes geraten in Martz die Dinge außer Kontrolle. Menschen sterben unter mysteriösen Umständen, Schatten führen ein Eigenleben und Aurelia und Zavin geraten ins Visier mächtiger Ränkeschmiede.
    Wie viel Menschlichkeit kann Zavin sich bewahren? Wie weit ist Aurelia bereit zu gehen?

    Eine Geschichte über Selbstbestimmung, innere Dämonen und den bloßen, rohen Hunger nach Leben.


    Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

    „… als ich dann bemerkte, wie rund die Geschichte dadurch geworden ist. Es war immer noch meine Geschichte, meine Sprache, aber veredelt. Da dachte ich: WOW, das wird jetzt ein richtiges Buch!.“

    – Christel Scher, Autorin

    Überblick und Links

    Titel: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut
    Autorin: Christel Scher
    Seiten: 432
    Erscheinungsdatum: 4. Oktober 2023

    Hier kannst du das Buch kaufen:
    überall, wo es Bücher gibt,
    zum Beispiel direkt bei BoD, im Autorenwelt-Shop
    oder in deiner Lieblingsbuchhandlung

    Christel Schers Website | Christel Scher auf Instagram | Christel Scher auf TikTok

    Buchfotos: Christel Scher
    Autorinnen-Porträt: Marco Marczynski, Fotostudio Big Shot in Wittlich

  • Cover-Designerin Juliana Fabula im Interview: Über die visuelle Seite des Selfpublihsings

    Cover-Designerin Juliana Fabula im Interview: Über die visuelle Seite des Selfpublihsings

    Sie ist die Designerin, deren Cover sich am häufigsten in meinem Lektorats-Portfolio wiederfinden: Juliana Fabula. Jessica Iser hat mit ihr für ihre Novelle „Zweimondnächte” zusammengearbeitet, für Sarah Malhus hat sie nicht nur das Buchcover ihres Barden gezaubert, sondern auch die Grafiken rund um ihr Crowdfunding, und für Viktoria Ludwig kleidet sie gleich eine ganze Trilogie („Die Wächter der Tore”) in ihr schönes Gewand. Die Rede ist von Juliana Fabula – ein echter Tausendsassa in der Buchbubble.

    Coverdesign, Grafikdesign, Buchsatz. Ob zu hundert Prozent nach eigenen Wünschen gestaltet oder aus ihrem umfangreichen Premade-Portfolio gewählt. Mit über 10 Jahren Erfahrung kennt sich Juliana Fabula bestens aus mit einer der wichtigsten Fragen im Selfpublishing: Und was ist mit dem Cover?

    Zeit, sie mal in einem ausführlichen Interview mit allerlei Fragen zu löchern.


    Das Interview mit Juliana Fabula

    Liebe Juliana, du bist Profi auf deinem Gebiet, die Zahlen beeindruckend: 10 Jahre Erfahrung, über 400 Buchcover für über 200 Autor:innen und Verlage! Was macht für dich mit all dieser Erfahrung ein gutes Buchcover aus?

    Es sind viele Elemente, die ein gutes Buchcover ausmachen.

    Eine harmonische Wahl aus Farben und Bildelementen macht natürlich einen großen Teil aus. Aber ich sage auch, dass die Typografie ungefähr 50 % eines guten Covers ausmacht.

    Bildmotive können noch so gut sein, wenn sie dann mit einer unpassenden Schrift kombiniert werden, kann das Cover am Ende nicht sein gesamtes Potential ausschöpfen, das es vielleicht haben könnte. Allerdings ist das auch mit einer der schwersten Parts am Design, denn dieses Gefühl dafür bekommt man erst mit einiger Zeit an Erfahrung.

    Und was macht für dich einen guten Buchsatz aus? Das ist ja das auf den ersten Blick „unauffälligere” Design-Element – wie groß ist hier der Unterschied zwischen selbst gemacht und professionell?

    Lektorat Papiervogel, Portfolio: Lektorat - Sarah Malhus: Von Fabelwesen und Königen - Aus dem Leben eines Barden. Low Fantasy, Selfpublishing
    Cover-Portfolio von Juliana Fabula meets Portfolio von Lektorat Papiervogel: Sarah Malhus, Von Fabelwesen und Königen

    Die Lesbarkeit. Hier achtet man vor allem auf Abstände, egal ob zu den Seitenrändern oder den Zeilenabständen.

    Dann auch der Blocksatz, der für Laien nicht immer einfach ist – hier nutzen manche einen Flattersatz, was bei Büchern aber nicht die Norm ist. Und im Blocksatz können unschöne Lücken entstehen, wenn man nicht weiß, wie man diese bearbeitet im Layout.

    Außerdem lesbare Schriften, die regulär im Satz genutzt werden, hier kommt es auch auf das Genre und die Zielgruppe an, welche man auswählt.

    Dann Layoutfehler, die man vermeiden sollte, weil sie den Lesefluss unterbrechen usw.

    Es gibt also vieles, auf das man achten sollte und die meisten beschäftigen sich leider zu oberflächlich mit dem Thema.

    Wie groß ist der Anteil des Buchcovers am Erfolg eines Selfpublishing-Projektes? Steht und fällt mein Verkaufserfolg mit dem Cover?

    Tatsächlich ist ein Buchcover nicht nur für den Erfolg eines Selfpublishing-Projektes verantwortlich, sondern für jedes Buchprojekt. Das merkt man vor allem an den Reaktionen bei Cover-Reveals, wenn Lesende darunter kommentieren, wie schön sie das Cover finden und dass sie das Buch nur wegen des Covers gekauft haben. Die Optik hier spielt eine entscheidende Rolle.

    So gesehen ist das Buch ein Produkt und die passende Verpackung macht es erst ansprechend, wodurch mehr Lesende darauf aufmerksam werden.

    Komm, plaudere mal aus dem Nähkästchen: Welches Cover, das nicht von dir ist, hättest du selbst gerne designt? Und hast du unter deinen eigenen persönliche Lieblingsprojekte?

    Puh – ich weiß gar nicht, über diese Frage habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

    Und ich hab super viele Lieblingsprojekte, weil ich einfach wahnsinnig gerne den unterschiedlichsten Geschichten ein Cover designe, wodurch ein wenig der Zauber von innen nach außen sichtbar wird. Da waren schon so viele spannende Motive dabei, ich kann mich nicht wirklich für eines entscheiden.

    Welche Art Buchcover kannst du nicht mehr sehen?

    Jeder Trend hat seine Daseinsberechtigung. Sie passen zum Genre, der Geschichte, das Design spricht die entsprechende Zielgruppe an. Es gibt aber auch immer wieder neue Interpretationen eines Trends, was ich schön finde. So wirklich an einem sattgesehen habe ich mich daher noch nicht. 

    Coverdesign, Buchsatz … Für alles einen Profi zu beauftragen, ist eine große Investition, da liegt der Gedanke nahe, dass sich das so manche:r Selfpublisher:in dreimal überlegt … Provokante Frage: Braucht es überhaupt ein professionelles Coverdesign & Buchsatz – oder kann man das auch irgendwie selbst zusammenbasteln? Was ist deine Empfehlung?

    Persönlich würde ich sagen, ja, man braucht ein professionelles Coverdesign und auch den Buchsatz.

    Das Cover ist der Verkaufsgrund Nummer 1, vor allem in der heutigen Zeit mit Bookstagram und Booktok. Wenn das Cover überzeugt, wird das Buch gekauft, auch bzgl. Farbschnitt und Co sieht man ja aktuell, wohin sich das Ganze bewegt. 

    Lektorat Papiervogel, Portfolio: Korrektorat - Jessica Iser: Zweimondnächte: Eine Deathbound Novelle. Dark Fantasy, Selfpublishing
    Cover-Portfolio von Juliana Fabula meets Portfolio von Lektorat Papiervogel (Korrektorat): Jessica Iser, Zweimondnächte

    Wenn das Cover überzeugt und die Zielgruppe anspricht, wird das Buch in die Hand genommen und gezeigt. Deswegen würde ich hier definitiv nicht sparen und auch nicht versuchen, selbst etwas zu gestalten. 

    Der Buchsatz ist auch wirklich wichtig, es bringt nichts, wenn die Geschichte gut ist und das Cover toll aussieht, wenn der Buchsatz das Buch schwer lesbar macht, z. B. durch zu kleine Schriftgröße, zu geringen Zeilenabstand (oder auch zu großen) oder unleserliche Schrift (ja, das hab ich auch schon erlebt). Buchsatz kann man sich durchaus selbst beibringen, aber hier sollte auch bedacht werden, dass mit einem Layoutprogramm gearbeitet wird und nicht mit Word und Papyrus. Auch wenn es hier ein paar Funktionen dafür gibt, macht es doch einen großen Unterschied. Allerdings muss man sich nicht nur in das Programm einarbeiten, sondern auch in die Regeln der Typografie und des Buchsatzes, wenn man das vernünftig machen möchte.

    Hier empfehle ich immer: Hast du die Zeit, dich da komplett einzuarbeiten oder könntest du auch etwas anderes in dieser Zeit besser machen und diese Aufgabe dann doch lieber abgeben?

    An welchem Punkt im Selfpublishing-Prozess empfiehlst du Schreibenden, sich über Cover und Buchsatz Gedanken zu machen?

    Spätestens wenn das Buch im Lektorat ist, aber oftmals kann man sich auch schon früher bei Dienstleistenden umschauen, damit diese auch vorab genug Zeit haben, euch einzuplanen. Viele gute Dienstleistende sind oftmals 1-3 Monate im Voraus ausgebucht und es wäre ärgerlich, wenn man dann keinen Platz mehr bei der Wunschperson bekommen würde.

    Lesezeichen, Postkarten, Social-Media-Grafiken, … Was ist aus deiner Sicht als Designerin zusätzlich noch wichtig? Welche weiteren Design-Elemente brauchen Selfpublisher:innen unbedingt?

    Social-Media-Grafiken sind von Beginn an auf jeden Fall eine gute Wahl, um das Buch und mögliche Zitate in einem passenden Design zu präsentieren und so einen immer wiederkehrenden Look kreieren, der den Lesenden im Gedächtnis bleibt.

    Postkarten und Lesezeichen kommen auch immer gut an, vor allem da sie auch in der Produktion nicht so kostenintensiv sind, aber dennoch viel hermachen. Man kann sie auf Messen gut verteilen und so Aufmerksamkeit auf das Buch bringen.

    Der Blick in die Glaskugel: Welche Trends kannst du in „deinen” Genres für die kommenden Saisons erkennen?

    Aktuell gibt es im Fantasybereich viel mit Mustern, Rahmen und Ornamenten. Allerdings hat das auch nicht viel zu heißen, es kommt dann darauf an, was der Inhalt ist, welches Genre es ist und für welche Zielgruppe es gedacht ist.

    Viele Faktoren spielen eine Rolle und nicht alle Trends werden „out”. Es ist ähnlich wie bei der Mode, wenn Trends aus früheren Zeiten einen neuen Aufschwung bekommen.

    Lia, ich will ein Cover von dir! Angenommen, ich bin Autor:in und möchte mit dir zusammenarbeiten: Wie gehe ich am besten vor, wie gehe ich das an?

    Tatsächlich ist das recht einfach, man kann mir einfach über meine Website via Kontaktformular schreiben. Wenn man möchte, kann man direkt das ausgefüllte Coverdatenformular mitschicken, dann kann ich direkt darauf eingehen, ansonsten kann man auch erst einmal so allgemeine Sachen wie Preis, Zeitraum und Co klären.

    Wenn ein:e Autor:in wenig bis keine eigenen Vorstellungen mitbringt, wie ein Cover aussehen soll – wie gehst du dann beim Design vor? Wie findest du heraus, was zur Geschichte passt?

    Lektorat Papiervogel, Portfolio: Lektorat - Viktoria Ludwig: Die Wächter der Tore: Silkaris Hoffnung. High Fantasy, Selfpublishing
    Cover-Portfolio von Juliana Fabula meets Portfolio von Lektorat Papiervogel: Viktoria Ludwig, Die Wächter der Tore (Trilogie)

    Selbst wenn die schreibende Person noch keine Vorstellungen hat, hilft mein Formular dennoch, wichtige Punkte für das Cover abzudecken.

    Zum Beispiel welches Genre, welche Zielgruppe, wie der Titel ist, wo der Handlungsort ist, welche wichtigen Elemente gibt es in der Geschichte? Ein Talisman? Einen magischen Gegenstand? Etwas anderes, das eine wichtige Rolle spielt? Außerdem welche Farben für das Cover gewünscht sind und welche zum Beispiel gar nicht gehen. Welche anderen Cover in dem Genre gefallen.

    Allein aus diesen wenigen Angaben kann ich meist ein passendes Cover gestalten oder zumindest einen Entwurf machen, aus dem sich dann das spätere Cover entwickelt, weil dann der schreibenden Person manchmal klarer wird, was sie möchte und was nicht.

    Was möchtest du zum Schluss noch loswerden? Was möchtest du Selfpublisher:innen und allen, die es werden wollen, noch mit auf den Weg geben?

    Lasst euch nicht abschrecken von der Vielzahl an Aufgaben, die koordiniert werden müssen. Sucht euch Dienstleister*innen aus, mit denen ihr zusammenarbeiten möchtet, und plant dann alles Stück für Stück.

    Unterschätzt nicht die Aufgabe des Covers, denn das macht euer Buch auf Social Media erst wirklich sichtbar: Wenn die Lesenden dadurch aufmerksam werden und Interesse für euer Buch bekommen, erst dann schauen sie sich den Klappentext und Co an. Ich habe früher oft gehört: „Aber es kommt doch auf den Inhalt der Geschichte an!” Ja, das stimmt an sich schon, aber wenn sich niemand den Inhalt ansieht, weil keiner von dem Buch angesprochen wird, dann ist das schwierig mit dem Inhalt zu überzeugen.

    Vielen Dank für das Interview, liebe Juliana! Ich bin mir sicher, es werden sich auch zukünftig weitere schöne Cover von dir bei mir auf der Portfolio-Seite wiederfinden.


    „ich hab super viele Lieblingsprojekte, weil ich einfach wahnsinnig gerne den unterschiedlichsten Geschichten ein Cover designe, wodurch ein wenig der Zauber von innen nach außen sichtbar wird.“

    – Juliana Fabula, Grafikdesignerin und Autorin

    Überblick und Links

    Wer über das Thema Grafikdesign hinaus noch mehr über Juliana Fabula erfahren möchte, kann auf Twitch ihre Streams verfolgen, sie auf Patreon unterstützen – oder ihre eigenen Bücher lesen. Denn sie ist außerdem selbst Autorin.

    Juliana Fabulas Website
    Juliana Fabula auf Twitch
    Juliana Fabula auf Patreon

    Instagram: Juliana Fabulas Autorinnen-Account
    Instagram: @fabula.coverdesign
    Juliana Fabula auf Twitter

    Premade-Beispiele von Juliana Fabula

    Autorinnen-Porträt und alle Grafiken: Juliana Fabula

  • Sarah Malhus im Interview: Crowdfunding für Projekt Barde

    Sarah Malhus im Interview: Crowdfunding für Projekt Barde

    Sechs Kurzgeschichten, zwei Gedichte und ein Fahrplan zum Herausgeben von Anthologien – so viele Veröffentlichungen kann Autorin und Herausgeberin Sarah Malhus bereits für sich verzeichnen. Darunter eine („What the Hel?“) komplett in Eigenregie via Selfpublishing. Sarah ist also bereits längst ein „alter Hase” in Sachen Schreiben und Veröffentlichen. Dennoch wagt sie sich jetzt für ihren Debütroman an einen neuen Veröffentlichungsweg. Statt zuerst zu veröffentlichen und dann zu hoffen, dass sie auch genügend Exemplare verkauft, macht sie es einfach andersherum: Crowdfunding soll es sein für Projekt Barde – der Arbeitstitel des Fantasy-Romans „Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden“. Dass das nicht das einzig Besondere an diesem Buch ist, verrät sie im Interview.


    Interview mit Sarah Malhus zum Crowdfunding für Projekt Barde -- mittelalterliche Low Fantasy, gemischt mit Slice of Life, voller Musik
    Autorin Sarah Malhus (Foto: Jens Bicker)

    „Das Tempo gibt der Esel vor und die Geschichten die Menschen, die Aramil unterwegs trifft.”

    – Sarah Malhus, Autorin „Von Fabelwesen und Königen”

    Das Interview mit Sarah Malhus

    Liebe Sarah, erzähl uns ein wenig über Projekt Barde: Was erwartet die Lesenden? Wem könnte es gefallen?

    Sarah Malhus: Mein Buch „Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden“ handelt von Aramil Flitterer. Die Themen Freundschaft, (queere) Liebe, Hoffnung und Hilfsbereitschaft bilden das Hauptthema der Geschichte. Wer Abenteuer, aber auch gemütliche Abende in der Taverne mag, ist hier genau richtig. Wer mit Aramil unterwegs ist, begegnet allerhand Fabelwesen, hat einen Esel als besten Freund (eigentlich ist Herr von Grau der heimliche Held der Geschichte!) und sieht sich Herausforderungen gegenüber, die man nicht aller Tage hat (der König braucht ein Schlaflied!).

    Ich wage mal zu behaupten, dass das Buch allen gefällt. Meine Testlesenden lesen alle unterschiedliche Genres und waren durchweg begeistert vom Barden. Das macht mir Hoffnung in Bezug auf die Meinung des breiten Publikums 😀

    Das Buch ist in den Genres Low Fantasy und Slice of Life angesiedelt, was bedeutet, dass das Setting eher mittelalterlastig ist und man einen Einblick in das alltägliche Leben des Protagonisten hat. Also kein hektisches Reisen von A nach B nach C und einer epischen Schlacht am Ende. Das Tempo gibt der Esel vor und die Geschichten die Menschen, die Aramil unterwegs trifft. 

    Du hast dich entschieden, für die Veröffentlichung von Projekt Barde den Weg des Crowdfundings zu gehen. Wie kam es dazu?

    Von Anfang an hatte ich klare Vorstellungen von der Gestaltung des Barden. Und da das Buch einen ungewöhnlichen Genremix hat, wusste ich nicht, ob ich mit ihm Erfolg bei einem Verlag haben würde. Da ich bereits einige Anthologien im Selfpublishing herausgebracht habe, war die Hürde, den Barden ebenfalls im Selfpublishing herauszubringen, nicht ganz so hoch. Und da Selfpublishing aber recht teuer ist – wenn man wie ich so ziemlich jede Dienstleistung mitnimmt, die es gibt –, kam recht schnell die Idee des Crowdfundings auf. Andere Schreibende wie I.B. Zimmermann, Ann-Kathrin Karschnik und Michaela Harich haben in jüngster Vergangenheit erfolgreich ihre Bücher gecrowdfunded, das hat mir Mut gemacht.

    Unterstützen

    Einen Roman zu schreiben, ist eine großartige Leistung – ein Crowdfunding auf die Beine zu stellen, vermutlich nicht weniger herausfordernd. Hattest du Unterstützung oder hast du alles alleine konzipiert und erstellt?

    Bei der Konzepterstellung für das Crowdfunding habe ich mir Zeit gelassen. Auch, weil ich mich selbst testen wollte, ob ich überhaupt die Planungsphase überstehe. Ich habe eine Exceltabelle erstellt, Angebote eingeholt, rumgerechnet, die sog. Level (Crowdfunding-Pakete) zusammengestellt und simuliert, wie ich das Ganze so attraktiv wie möglich gestalte. Das Ergebnis kann man auf meiner Projektseite auf Startnext sehen. 

    Hilfe hatte ich von Ann-Kathrin Karschnik a.k.a. Kuddel, die sich meine Kalkulation mehrmals angesehen und mir hilfreiche Ratschläge gegeben hat. Das war sehr hilfreich! Zudem stand mir Roxane Bicker stets mit einem Blick von außen zur Seite.

    Für Projekt Barde hast du dir ein tolles Team an Dienstleistenden zusammengestellt. Wie kam es zu genau dieser Konstellation an Menschen?

    Eine Lineart Illustration eines Lagerfeuers von Künstlerin luriusa für Projekt Barde
    Eine Illustration von Künstlerin luriusa für Projekt Barde

    Mit Blick auf die Veröffentlichung des Barden habe ich im Oktober 2021 meine Kurzgeschichte „What the Hel?” herausgebracht, um den ganzen Ablauf einmal mit 60 Seiten zu erleben, bevor ich mich an 400 wage. Dabei habe ich das erste Mal mit Juliana Fabula und Laura Stadler zusammengearbeitet. Es lief alles absolut reibungslos, die Kommunikationswege waren kurz und beide sind sowieso großartige Menschen, was das Ganze noch besser gemacht hat.

    Die Künstlerin luriusa hat sich damals auf meinen Aufruf auf Twitter gemeldet, als ich wen gesucht habe, der mir den Barden zeichnen kann. Ganz ehrlich, sie gebe ich nie wieder her! Ihre Werke, egal was es ist, sind ungemein eindrucksvoll.

    Martina, ihres Zeichens Landkartenillustratorin, wurde mir von Anke Bergmann, einer befreundeten Autorin empfohlen.

    Und zu dir, Lily, bin ich gekommen, weil ich dich in „Hic sunt dracones” mitveröffentlichen durfte und so wusste, dass du auch Lektorin bist. Ich hatte ein gutes Gefühl, was dich und den Barden angeht und ich freue mich schon sehr auf unser gemeinsames Lektorat, das uns quer durch Baldern führen wird.

    Der Roman ist in 15 ineinander verwobenen Kurzgeschichten erzählt. Hast du diese außergewöhnliche Struktur bewusst gewählt oder hat es sich so ergeben?

    Nachdem ich mein Erstlingswerk (das in der Schublade vor sich hin vegetiert) beendet hatte, schrieb ich erstmal nur Kurzgeschichten, weil ich nichts neues Großes anfangen wollte. Als mir dann der Barde in den Sinn kam, stand relativ schnell fest, dass er selbst die Geschichte erzählen wird. Und da Barden ihre Geschichten üblicherweise im Ganzen zum Besten geben, war das beste Kapitelformat die Kurzgeschichte. So war die Umgewöhnung von Kurzgeschichten hin zum Roman nicht ganz so krass. Es ist also halb bewusste Entscheidung, halb Fügung, dass der Roman so aufgeteilt ist. 

    Es findet sich bereits im Titel: Musik spielt eine große Rolle in Projekt Barde. Auch in deinem eigenen Leben?

    Auf jeden Fall! Als Kind habe ich Pop gehört, bis ich mit 13/14 MTV entdeckte. Das erste Musikvideo, das ich jemals gesehen habe, war „In the end” von Linkin Park. Seitdem schlägt mein Herz für Metal. Von dort war der Weg zu Mittelalterrock – und zu meiner Lieblingsband In Extremo – nicht mehr weit. Ich höre vom Aufstehen bis zum Schlafengehen Musik, bei mir ist es wirklich selten still. Ich kann mich in Gitarrenriffs verlieren und liebe es, wenn mir auf Konzerten der Bass durch Mark und Bein geht. Ich glaub, das beantwortet die Frage, oder? ^^

    Wenn wir noch mehr von Sarah Malhus lesen möchten: Was ist von dir als Autorin und Herausgeberin bislang erschienen – und hast du einen ganz persönlichen Tipp?

    Mich kann man in einigen Anthologien finden. Meine persönlichen Lieblinge sind dabei meine Geschichte in „Das Dampfbein schwingen“ und „What the Hel?“.

    • Kurzgeschichte „Der Spiegelmörder“ in der Anthologie „München Legenden“ der Münchner Schreiberlinge
    • Kurzgeschichte „Zahltag“, Anthologie „Kürbisgemetzel“ der Münchner Schreiberlinge (auch Mit-Herausgeberin)
    • Gedicht „Herz“, Anthologie „Wanderpfade der Liebe“ der Münchner Schreiberlinge
    • Kurzgeschichte „Die Entdeckung der Rima Hadley“, Anthologie „Das Dampfbein schwingen“ des Verlags ohneohren
    • Kurzgeschichte „What the Hel?“ (SP über BoD)
    • Kurzgeschichte „Auszeit unter wid(d)rigen Bedingungen“ und Gedicht „Jagd“, Anthologie „Dunkle Nächte, stade Zeit.“ der Münchner Schreiberlinge
    • Kurzgeschichte „Die Ampel“, Spenden-Anthologie „Again and Again“

    Eine Fee mit einem Zauberstab steht vor dir, die alles möglich machen kann, was du dir vorstellst: Was wünschst du dir für Projekt Barde?

    Ich wünsche mir für den Barden, dass ihn möglichst viele Leute entdecken und mit ihm auf Reisen gehen. Ein Buch lebt davon, gelesen zu werden. So wie Aramil die Geschichten der Menschen erzählt, die er trifft, würde ich mich freuen, wenn er selbst in aller Munde wäre. Also, liebe Fee, ich hoffe, du hast Reichweite in deinem Repertoire!

    Vielen Dank für das Interview, liebe Sarah! Ich wünsche dir allen Erfolg mit dem Crowdfunding von Projekt Barde – und freue mich schon sehr auf unsere Zusammenarbeit im Lektorat!

    Cover-Mockup Projekt Barde (Von Fabelwesen und Königen - Aus dem Leben eines Barden") für Print und E-Book. Covergestaltung: Juliana Fabula

    Klappentext Projekt Barde

    »Wenn du Barde werden willst, musst du dir bewusst machen, dass du kein eigenes Heim haben wirst. Du bist tagsüber auf der Straße und abends überall da, wo ein Barde Publikum findet.«

    Ein Lagerfeuer, eine Gruppe Reisender und ein Barde mit einer Menge Geschichten.

    Als Zwangsrekrut einer blutigen Schlacht entkommen, sucht der junge Aramil eine sichere Zuflucht. Diese findet er bei einer Instrumentenbauerin, die ihn aufnimmt und sein Interesse für Musik weckt. Mit nichts als einem Esel und einer Laute macht Aramil sich auf die Reise, um ein Leben als Barde zu führen. Dabei begegnet er Fabelwesen, unterhält Könige, knüpft außergewöhnliche Freundschaften und lernt, was Glück für ihn bedeutet. Nach und nach verweben sich einzelne Geschichten zu einer klangvollen Sage: Wie ein einfacher Barde das Schicksal eines gespaltenen Königreichs beeinflusst.

    An Aramils Lagerfeuer ist immer Platz. Setz dich dazu und lausche seinen Erzählungen.

    Unterstützen

    Autorin Sarah Malhus (Foto: Jens Bicker)

    „Die Themen Freundschaft, (queere) Liebe, Hoffnung und Hilfsbereitschaft bilden das Hauptthema der Geschichte. Wer Abenteuer, aber auch gemütliche Abende in der Taverne mag, ist hier genau richtig.“

    – Sarah Malhus, Autorin „Von Fabelwesen und Königen”

    Überblick und Links

    Titel: Von Fabelwesen und Königen – Aus dem Leben eines Barden
    Autorin: Sarah Malhus
    Projektstand: Crowdfunding-Phase
    Erscheinungsdatum: voraussichtlich Q1/2023

    Coverdesign & Buchsatz: Juliana Fabula
    Lektorat: Lektorat Papiervogel
    Korrektorat: Laura Stadler
    Innenillustrationen: luriusa
    Landkarte: Martina Nowak

    Hier kannst du das Projekt unterstützen:

    Link zur Website: https://sarahmalhus.de | Social Media: Facebook: @schreibmaid, Instagram: @schreibmaid, Twitter: @schreibmaid

    Header-Foto: Jens Bicker

  • Jessica Iser im Interview: Korrektorat für Deathbound

    Jessica Iser im Interview: Korrektorat für Deathbound

    Wer Jessica Isers Instagram-Account kennt, denkt sicher sofort an Witchcraft, Herbstliebe, Naturverbundenheit und eine leuchtend-dunkle Ästhetik. All das vereint auch der Debütroman der Darmstädter Autorin: „Deathbound”, Dark Fantasy Romance, erschienen bei BoD. Schon wenige Tage nach Release begeistert die Geschichte Liebhaber:innen dunkler Phantastik wie Genre-Neulinge gleichermaßen. Nicht umsonst landete Jessica Iser direkt unter den Top 12 der Liste „Beste*r Erstlingsautor*in eines Phantastik-Romans” für den Goldenen Stephan – und ist in der Kategorie „Bester Indie-Roman” nominiert für den Deutschen Phantastikpreis Seraph.

    Jessi und mich verbindet seit vielen Jahren eine enge Freundschaft. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich – damals noch unter meinem Autorinnen-Pseudonym Lily Magdalen – das Korrektorat für „Deathbound” übernehmen durfte. Ein großer Vertrauensbeweis, eine große Ehre und ein noch viel größeres Vergnügen! Darum gehört dieses Buch aus gleich mehreren Gründen zu meinen Jahreshighlights 2021.

    Nach Release wollte ich Jessi daher unbedingt zu einem kleinen Interview einladen. (Dieser Beitrag erschien am 20. Oktober 2021 zuerst auf meiner Autorinnen-Website)


    „… wenn in eurer Schublade eine Herzensgeschichte steckt, dann holt sie vielleicht nochmal hervor.”

    – Jessica Iser, Autorin „Deathbound”

    Lektorat Papiervogel: Liebe Jessi, am 1. Oktober ist nach zahlreichen Kurzgeschichten nun auch dein Debütroman „Deathbound” erschienen. Was erwartet die Leser:innen denn mit dem Buch?

    Jessica Iser: Kurz gesagt: eine Geschichte über Liebe und Tod. Wenn ich weiter aushole, fallen mir da einzelne Elemente ein, die das Buch als Gesamtes ausmachen; Wälder, Sumpf, Magie und Blut, übernatürliche Wesen und Untote, alles vor dem Hintergrund des Herbstes – das Sterben ist also allgegenwärtig. Kein Wunder, schließlich hat der Todbringer Letifer eigentlich die Aufgabe, Alys zu töten. Dass er das nicht tut, hat natürlich für alle Beteiligten Konsequenzen. Aber „Deathbound“ ist auch eine Geschichte über die eigenen Dämonen, Selbstsucht und Aufopferung. Und das Leben.

     

    LP: „Deathbound” ist als Geschichte ja schon ein paar Tage alt. Magst du etwas über die verschlungenen Pfade von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung erzählen?

    JI: Ha, ja, allerdings, die Geschichte hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Die Erstfassung schrieb ich vor 13 Jahren im zarten Alter von 17. Damals war sie noch wesentlich kürzer und spielte in der Gegenwart – ich wollte eine Atmosphäre wie im Film „The Crow“ haben. Das hat nur mäßig funktioniert, haha, aber Parallelen sind auch heute bestimmt noch zu erkennen. Danach hat das Manuskript vor sich hin geschlummert. Die Neufassung in einer eigenen Fantasy-Welt schrieb ich erst einige Jahre später unter dem Arbeitstitel „Der Todbringer“ und beendete sie 2016. Seitdem ist ja auch wieder viel Zeit vergangen und „Deathbound“ hat nochmal eine Generalüberholung bekommen, im Herzen bleibt die Geschichte jedoch dieselbe.

     

    LP: Ein unglaubliches Durchhaltevermögen, das du da an den Tag gelegt hast, wow! Würdest du rückblickend alles nochmal genauso machen?

    JI: Ich glaube, ich kann guten Gewissens mit „Ja“ antworten. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es nicht so lange hätte dauern müssen, bis „Deathbound“ in die Welt hinaus darf. Ich wünschte, ich hätte nicht jahrelang mit der Verlagssuche und dem Warten auf Antworten verbringen müssen. Trotzdem bin ich froh darüber, denn es gab auch mehrmals Interesse am Manuskript und auch wenn dann aus verschiedenen Gründen nichts daraus wurde, hat es mir doch Vertrauen in meine Geschichte und mein Können gegeben. Die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mein Buch tatsächlich gut finden, hat unter anderem vielleicht auch zu dem mutigen Schritt beigetragen, ins Selfpublishing zu gehen. Und ich habe auf der langen Reise letztendlich viel gelernt: übers Schreiben, über Verlage und Selfpublishing, aber auch über meine Geschichte und über mich selbst. Das Buch und ich haben uns beide während dieser Zeit weiterentwickelt und das war, denke ich, gut so. Daher möchte ich auch anderen Schreibenden mitgeben: Manche Geschichten brauchen Zeit. Ihr seid nicht zu langsam, es gibt nicht das richtige Tempo. Und wenn in eurer Schublade eine Herzensgeschichte steckt, dann holt sie vielleicht nochmal hervor.

     

    LP: Für deine Veröffentlichung hast du mir deinen Roman im Korrektorat anvertraut. Welche Erfahrungen nimmst du aus der Zusammenarbeit mit?

    JI: Ich sage es nur ungern, aber selbst nach unzähligen Überarbeitungsrunden und dem Lektorat sind noch Augen durch mein Manuskript gewandert – viele Autor:innen werden wissen, wovon ich spreche, haha. Umso wichtiger, dass nochmal ein reales Augenpaar über den Text schaut. Das Korrektorat war für mich unerlässlich, um den Text nochmal zu schleifen. Man sieht eben selbst irgendwann den Wald vor lauter Bäumen – oder den Text vor lauter Buchstaben – nicht mehr.

    Besonders schön war es natürlich, dass ich für die abschließende Arbeit am Text mit dir nochmal jemanden an meiner Seite hatte, der die Geschichte und mich kennt. Ich konnte mit dir über seltsame Rechtschreib- und Grammatikregeln diskutieren und dabei Neues dazulernen (ich komme noch nicht so richtig über „auf allen vieren“ [statt „auf allen Vieren“] hinweg). Und ich bin mir sicher, dass noch viele andere Autor:innen von deinem Fachwissen profitieren werden.

     

    LP: „Deathbound” ist ziemlich düster – und wenn man deinen Instagram-Account so anschaut, bekommt man den Verdacht: Das kommt nicht von ungefähr … Hast du einen Bezug zur Schwarzen Szene?

    JI: Ich habe früher immer gesagt: „Wenn man mich schon in eine Schublade stecken möchte, dann passt Grufti vielleicht am besten.“ Ich liebe die Musik, die Kleidung, die Ästhetik und die Atmosphäre in den Szene-Clubs. Interessant finde ich übrigens, dass es manchmal auch von Kolleg:innen bei der Arbeit kommentiert wird, wenn ich etwas auffallend Buntes trage und warum ich kein Schwarz anhabe – dabei trage ich im Alltag gar nicht mal so oft ausschließlich Schwarz. Aber anscheinend strahle ich da irgendwas aus [insert resting witch face]. Und das spiegelt sich, denke ich, teilweise auch in meinen Geschichten wider. Für diejenigen, die die „Deathbound“-Playlist kennen oder die Widmung und Danksagung gelesen haben, wird es auch kein Geheimnis sein, dass Gothic Metal einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Buch hatte.

     

    LP: „Deathbound” ist ja erst der Anfang und ich bin sicher, wir werden noch viel mehr von dir lesen können in den nächsten Jahren. Verrätst du uns, woran du gerade schreibst – und welche spannenden Projekte im nächsten Jahr sonst noch anstehen?

    JI: Derzeit schreibe ich an einem Portal Fantasy Roman, über den ich unter dem Hashtag #Herbstprojekt manchmal erzähle. Viel kann ich noch nicht verraten, aber wie der Hashtag bereits erahnen lässt, spielt der Herbst eine zentrale Rolle, ebenso wie eine Parallelwelt neben unserer (darum auch Portal Fantasy), vier verfluchte Geschwister, Dämonen und eine moderne Wicca-Hexe, die da irgendwie mit hineingezogen wird.

    Wenn das beendet ist, warten auch schon die nächsten Romanideen und ein sehr spannendes Geheimprojekt, zu dem ich eingeladen wurde. Ganz besonders freue ich mich aber auf unsere weitere Zusammenarbeit als Herausgeberinnen der nächsten Nikas Erben-Anthologie. Das nächste Jahr wird vielseitig!

     

    Vielen Dank für das Interview, liebe Jessi! Ich wünsche dir nur das Allergroßartigste für dein Romandebüt und freue mich auf alles, was noch kommt!

    Klappentext

    Sterben ist ihr Schicksal.
    Töten ist seine Bestimmung.
    Sie sind durch den Tod verbunden.

    Niemand überlebt die Begegnung mit einem Todbringer. Doch als Letifer das Leben der jungen Alys verschont, ahnt er noch nicht, welchen Sog aus Leidenschaft, Hexerei und Gewalt er damit entfesselt. Denn er ist nicht der einzige Todbringer – und Alys nicht die, für die sie sich ihr Leben lang gehalten hat. Während ihre Welt aus den Fugen gerät, muss sie erkennen, dass der Eingriff in ihr Schicksal finstere Konsequenzen hat. Der Überlebenskampf beginnt …

    Ist Liebe wirklich stärker als der Tod?


    „‚Deathbound‘ ist auch eine Geschichte über die eigenen Dämonen, Selbstsucht und Aufopferung. Und das Leben.“

    – Jessica Iser, Autorin „Deathbound”

    Überblick und Links

    Titel: Deathbound
    Autorin: Jessica Iser
    Seiten: 504
    Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2021

    Coverdesign: Kiwibytes Design
    Lektorat: Melina Coniglio
    Korrektorat: Lily Magdalen
    Buchsatz: Sabrina Milazzo
    Illustrationen: Jessica Iser

    Hier kannst du das Buch kaufen:
    überall, wo es Bücher gibt,
    zum Beispiel direkt bei BoD, im Autorenwelt-Shop
    oder in deiner Lieblingsbuchhandlung

    Link zur Website: www.jessicaiser.de | Social Media: Instagram: @awritingwitch, Twitter: @awritingwitch

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