Lektorat Papiervogel: Dark-Fantasy-Autorin Christel Scher im Interview über ihren Debütroman „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” (Books on Demand, Selfpublishing, Vampiroman, Gothic)
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Autorin Christel Scher im Interview: Über „Die Dämonen von Martz” und die dunkelschöne Seite des Schreibens

Nicht erst als wir uns auf dem diesjährigen Wave-Gotik-Treffen in Leipzig auf einen Kaffee nach der Lesung von Markus Heitz verabredet haben, war klar: Die Liebe zum Düsteren, zum Schaurigen, zum Dunkelschönen haben Autorin Christel Scher und ich gemeinsam. Kein Wunder, dass das so gut gepasst hat mit der Zusammenarbeit! Ihren Dark-Fantasy-Roman „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” habe ich in zwei schönen und intensiven Lektorats-Runden begleiten dürfen. Eines meiner Lieblings-Projekte aus inzwischen zweieinhalb Jahren Selbstständigkeit.

Keine Frage also, dass ich Christel auch unbedingt für meinen Blog zu einem Interview bitten wollte.

Über die detailreiche Schönheit der viktorianischen Epoche, über das Lachen und Leiden und Lieben mit den eigenen Charakteren – und darüber, was Morgenmantel und Flauschsocken mit ihrem Schreiben zu tun haben.


Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

„Am nächsten Abend habe ich am Rechner gesessen und „Die Dämonen von Martz” geschrieben. Das war wie ein Rausch …“

– Christel Scher, Autorin

Das Interview mit Christel Scher

Liebe Christel, erzähl uns ein wenig über „Die Dämonen von Martz” – was erwartet die Lesenden in dem Buch?

„Die Dämonen von Martz” ist ein Dark-Fantasy Roman und der Zusatz „Dark” ist durchaus ernst zu nehmen. In einer viktorianisch inspirierten Welt trifft der vampirische Uhrmacher Zavin auf die stumme Prostituierte Aurelia. Diese Begegnung überlebt sie nur knapp und Zavin bietet ihr einen Handel an: ein Schlupfloch in eine bessere Zukunft gegen ihr Stillschweigen. Mit dieser vermeintlichen Lösung fangen die Probleme aber erst richtig an. 

Das Buch ist stellenweise schonungslos und blutig, dann aber auch wieder sehr zart.

Die Lesenden können sich auf eine dichte Atmosphäre freuen, auf einen bildhaften Schreibstil, auf Düsterromantik, Übernatürliches, moralische Dilemmata und auf zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die diese Geschichte erzählen. Eine starke Frau und ein außergewöhnlicher Mann, der eben das gar nicht sein will.

Wer ist Christel Scher? Was müssen Lesende unbedingt über dich wissen, was macht dich als Autorin aus?

Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing
Christel Schers Debütroman „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut”

Ich bin ein Gefühlsmensch durch und durch. Ich bin keine Autorin, die ihre Geschichte von Anfang an streng durchplant. Ich leide, lache und weine mit meinen Charakteren. Ich lass mich von Gefühlen leiten und lasse mich auf Überraschungen ein. Als Aurelia und Zavin sich trafen, wusste ich tatsächlich noch nicht, ob sie Feinde oder Freunde werden. Ich habe Rückmeldungen bekommen, dass die Beziehungen zwischen den Charakteren sich sehr natürlich anfühlen und entwickeln, dass man das Gefühl hat, sehr nah am Geschehen dran zu sein und es durchweg spannend bleibt. Ich denke, das hat viel mit der Art zu tun, wie ich an das Schreiben herangehe. 

In meinem Zweitjob habe ich als Sozialarbeiterin zudem mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Menschen und Lebensgeschichten zu tun. Und auch wenn ich niemals (!) einen Klienten zum Vorbild für einen Buchcharakter nehmen würde, habe ich durch diesen Beruf doch eine Menge über menschliche Motive gelernt und wie tief diese manchmal in den Biografien verwurzelt sind. Ich denke, dass mir das sehr dabei hilft, glaubwürdige Charaktere zu erschaffen.

Was sind die größten Einflüsse auf dein Schreiben? Was inspiriert dich?

Zum Ersten sicherlich das 19. Jahrhundert, in dem auch düstere Werke wie Frankenstein oder Dracula entstanden. Wissenschaft und der Glaube an Übernatürliches waren teilweise abstrus miteinander verwoben

Die Ästhetik der viktorianischen Epoche, die Kleidung, Treppengeländer, Fenster, Besteck … alles hatte eine detailreiche Schönheit (jedenfalls in reichen Haushalten). Und gleichzeitig war es eine Zeit voller unhaltbarer gesellschaftlicher Zustände. Diese Gegensätze haben den Bau meiner Welt stark inspiriert.

Natürlich habe ich schon viele, unzählig viele, Vampirgeschichten gelesen und geliebt. Was mein eigenes Kopfkino in Gang bringt, ist aber eher Visuelles, vielleicht, weil mein Kopf dabei abschalten kann. Wenn es einen Tag einfach nicht klappen will, klicke ich mich durch Pinterest oder sehe mir Filme an. Zum Beispiel Bram Stokers Dracula, Interview mit einem Vampir, die Serie Penny Dreadful, oder manchmal auch uralte Sachen, in denen Filmemacher sich noch Mühe gegeben haben, eine schaurige Atmosphäre zu erschaffen. Manchmal braucht es nur wenige Bilder oder einen Dialog, um die Tore meiner eigenen Buchwelt wieder zu öffnen.

Nimm uns doch ein bisschen mit auf eine Zeitreise: Was ist die Entstehungsgeschichte des Romans?

Der wirkliche Anfangspunkt ist schwer zu benennen. Ich habe erst letztens Textpassagen wiedergefunden, die ich mit 16 Jahren geschrieben habe. Es ging um eine Fantasywelt, um eine Frau, die es schwer im Leben hat, und einen Vampir. Erste Ideen für die Dämonen von Martz erkenne ich darin wieder, aber ich hatte mich damals noch lange nicht gefunden. Das war die Zeit der „Herr der Ringe”-Filme und ich war fasziniert von High Fantasy. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich gemerkt habe, was mir wirklich liegt. 

Es folgten Jahre, in denen ich mich selbst unter Druck gesetzt habe, irgendwann vom Schreiben leben zu wollen, und dieser Druck war vollkommen kontraproduktiv. Ich war gedanklich nie frei. Tatsächlich gab es einen Abend Ende 2021, an dem ich mir ehrlich eingestand: Es klappt nicht. Du wirst nie ein Buch schreiben. 

Am nächsten Abend habe ich am Rechner gesessen und „Die Dämonen von Martz” geschrieben. Das war wie ein Rausch, der mein Leben erheblich bereichert hat.

Wie schreibst du? Hast du bestimmte Rituale?

Um nach der Arbeit abzuschalten, trinke ich meist erst in Ruhe einen Kaffee und bespreche den Tag mit meinem Mann. Dann ziehe ich mich in meine Schreibecke zurück, mache eine Kerze und Räucherstäbchen an und suche mir sanfte Hintergrundmusik heraus. Ich brauche Ruhe, um kreativ zu sein. In einem Café zu schreiben, könnte ich mir zum Beispiel nicht vorstellen. Zu viele Gespräche, zu viele Reize, zu viele Stimmungen in der Luft. Was das angeht, bin ich häufig sehr „Zavin” und schnell reizüberflutet. Nein, da schreibe ich lieber zuhause in meiner sicheren Höhle, eingehüllt in Bade- oder Morgenmantel. Ja, das ist sozusagen zu meiner Arbeitskleidung geworden. Morgenmantel und Flauschsocken bedeutet: Schreibfokus. Darauf hat mein Kopf sich mittlerweile eingestellt. 

Den Roman zeichnet eine gewisse Düsternis aus, er ist geprägt von Motiven, Schauplätzen und Elementen, die in ihrem Kern recht … gothic sind. Hast du selbst einen Bezug zur Schwarzen Szene?

Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing
Schonungslos düster und dunkelschön: „Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” – nicht nur für Gothic-Fans!

Ja, mein Herz schimmert schwarz. Seit Anfang 20 fühle ich mich in der Szene zuhause. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die ich als meine zweite Familie bezeichne. In der schwarzen Bubble konnte ich wachsen und aufblühen. Mein Buch ist nun ein Schritt heraus aus diesem sicheren Raum. Aber dieser Schritt hat mich bis jetzt sehr positiv überrascht.

Ich denke, vielen, die Bezug zur Szene haben, könnte mein Buch gefallen, aber auf keinen Fall muss man diesen Bezug haben, um es zu mögen. Ich habe Komplimente für das Buch von knalligbunt angezogenen Menschen mit ganz anderem Background bekommen, und das ist wunderschön.

Tiefrotes Blut fließt übers Cover, und ein Blick auf den Klappentext verrät: Mit „Die Dämonen von Martz” haben wir einen Vampirroman in der Hand. Allerdings einen mit deinem ganz eigenen Take dieses klassischen Stoffes. Was ist der Unterschied der bekannten Vampire zu deinen Dämonen?

Bei mir ist der Vampirismus ein Fluch, der auf Zavins Familie liegt und regelmäßig bei Familienmitgliedern zutage tritt. Man wird in diesen Fluch hineingeboren und nicht durch einen Biss erschaffen. Da der Fluch ein Tabuthema in Zavins Familie ist, steht dieser mit der Problematik alleine da. Er hat absolut keine Ahnung, was er ist und warum. All die bei uns bekannte Folklore gibt es in seiner Welt nicht. Er ist dadurch extrem verloren und orientierungslos

Meine Dämonen sind blutdurstig. Wenn sie kein menschliches Blut trinken, werden sie schwächer, bis sie in ein Wachkoma fallen. Dennoch können sie normal essen und trinken, haben einen Herzschlag und ihre Körper sind nicht unveränderlich. Sie können altern. Sie reagieren extrem sensibel auf Reize wie Geräusche oder helles Licht, aber es bringt sie nicht um. Sie schlafen in Betten und können durchaus tagaktiv sein. Es gibt körperliche Merkmale und übernatürliche Aspekte, die sie mit etwas Geschick aber verstecken können. 

Theoretisch könnten meine Dämonen unbemerkt ein ganz normales Leben führen. Eine erfüllende Arbeit, Ehepartner, Kinder … Ich denke, darin liegt eine besondere Tragik von meiner Vampirversion. Zavin hat sein Wunschleben vor sich, er streckt sich danach aus, kann es schon mit den Fingerspitzen ertasten und kommt doch nicht heran, weil da dieser blutdurstige, häufig auch mörderische Teil in ihm ist.

Bevor es ein Buch wurde, ging dein Manuskript durch ein intensives Lektorat – und ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich die Zusammenarbeit genossen habe. Wie erging es dir mit dem Lektorat? Was war dein größter Aha-Moment?

Der erste große Moment war das Gefühl, wirklich eine passende Lektorin gefunden zu haben. Ich hatte das Gefühl, dass du zutiefst verstanden hast, was ich da tue und wo ich damit hin will. Da wusste ich: Das hier wird bei aller geäußerter Kritik ein konstruktives Miteinander und meine Ängste, „zerpflückt” oder in eine ungewollte Richtung gedrängelt zu werden, lösten sich in freudiger Erleichterung auf.

Ein weiterer Aha-Moment war der Hinweis nochmal näher und detaillierter auf Aurelias Körpersprache und Gebärden einzugehen. Ich hatte das alles beim Schreiben vor dem inneren Auge gesehen, aber noch nicht ausreichend beschrieben. Mich Aurelia nochmal zu nähern und ihre Form der Sprache noch intensiver zu verstehen, hat sowohl das Buch weitergebracht als auch mich persönlich.

Und der größte Aha-Moment war sicherlich nach dem Ende des Entwicklungslektorats, als ich dann bemerkte, wie rund die Geschichte dadurch geworden ist. Es war immer noch meine Geschichte, meine Sprache, aber veredelt. Da dachte ich: WOW, das wird jetzt ein richtiges Buch!

Wie geht es weiter? Welche Ideen schlummern noch in deiner Schublade? Sitzt Christel Scher schon an einem neuen Buchprojekt?

„Die Dämonen von Martz: Schlüsselblut” ist als Einzelband wunderbar lesbar. Trotzdem sind einige übergeordnete Fragen offen geblieben. Mir war schon früh klar, dass ich mich länger als nur einen Roman in der Welt von Aurelia und Zavin aufhalten möchte. 

Die Fortsetzung kribbelt mir bereits in den Fingern. Es wird Winter in Martz und vor dem inneren Auge sehe ich tiefrotes Blut in weißen Schnee tropfen. Ich freue mich darauf, einige Charaktere noch näher zu beleuchten und früher oder später auch das Umland von Martz zu erkunden. Steilküsten, Sumpf, Felsen und dichte Wälder, darauf freue ich mich. „Projekt Nachtfalter” wird die Protagonisten wieder vor so manche schwierige Entscheidung stellen und in allerlei Gefahren stürzen.

Eine Fee mit einem Zauberstab steht vor dir, die alles möglich machen kann: Was wünschst du dir für „Die Dämonen von Martz”?

Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch erfährt, dass es mein Buch gibt. Nicht jeder muss es mögen, aber jeder soll davon erfahren.

Aber während ich auf die Fee warte, fange ich schonmal an und versuche selbst alles Menschenmögliche, verteile Flyer, verbessere meine Social-Media-Skills und lese aus meinem Buch vor, wo immer sich die Gelegenheit ergibt. Vielleicht darf ich mir von der Fee aus der Ferne ja schonmal den ein oder anderen Kraftboost dafür wünschen.

Vielen Dank für das Interview, liebe Christel!
Ich bin mir sicher, Fans der düsteren Phantastik werden noch viel von dir hören – und vor allem lesen.
Das war erst der Anfang!

Lektorat Papiervogel, Portfolio: Lektorat – Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

Klappentext

„… dass es mir gefällt, verdammt gut gefällt, es dem Leben heimgezahlt zu haben. Diesem verdammt überheblichen Strippenzieher, der aus mir eine Hure machte und aus dir einen Dämon.”

Blutdurst beherrscht sein Dasein. Demütigungen das ihre.
Tagsüber führt Zavin Wechem das gutbürgerliche Leben eines Uhrmachers, nach Einbruch der Dunkelheit trinkt er das Blut ahnungsloser Menschen in den Gassen von Martz. In einer schicksalhaften Nacht kreuzt sein Weg den der stummen Prostituierten Aurelia. Sie überlebt die Begegnung nur knapp – und das sorgsam gepflegte Lügengeflecht droht auseinanderzubrechen.
Um sein Geheimnis zu bewahren, bietet er ihr einen Handel an: ein Schlupfloch in eine bessere Zukunft gegen ihr Stillschweigen. Aurelia hadert – mit sich selbst und mit Zavins Natur. Doch bald erkennen beide, dass sie mehr verbindet als ein fragiles Gleichgewicht.
Indes geraten in Martz die Dinge außer Kontrolle. Menschen sterben unter mysteriösen Umständen, Schatten führen ein Eigenleben und Aurelia und Zavin geraten ins Visier mächtiger Ränkeschmiede.
Wie viel Menschlichkeit kann Zavin sich bewahren? Wie weit ist Aurelia bereit zu gehen?

Eine Geschichte über Selbstbestimmung, innere Dämonen und den bloßen, rohen Hunger nach Leben.


Interview mit Autorin Christel Scher: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut; Dark Fantasy, Gothic, Vampirroman; Books on Demand; Selfpublishing

„… als ich dann bemerkte, wie rund die Geschichte dadurch geworden ist. Es war immer noch meine Geschichte, meine Sprache, aber veredelt. Da dachte ich: WOW, das wird jetzt ein richtiges Buch!.“

– Christel Scher, Autorin

Überblick und Links

Titel: Die Dämonen von Martz – Schlüsselblut
Autorin: Christel Scher
Seiten: 432
Erscheinungsdatum: 4. Oktober 2023

Hier kannst du das Buch kaufen:
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Christel Schers Website | Christel Scher auf Instagram | Christel Scher auf TikTok

Buchfotos: Christel Scher
Autorinnen-Porträt: Marco Marczynski, Fotostudio Big Shot in Wittlich

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