Die Kommode unfertiger Projekte – was darf auf die Werkbank?

Lesende haben den Stapel ungelesener Bücher, Schreibende haben die Schublade unveröffentlichter oder gar ungeschriebener Geschichten, ich als Lektorin habe die digitalen Krimskrams-Schubladen unter meiner Projekte-Werkbank. Schlummernde Ideen, halbherzig Angefangenes oder sogar Fast-Fertiges. Als Alexandra Bohlmann in ihrer Blogparade dazu aufrief, den eigenen „Projektfriedhof” zu zeigen, war es für mich an der Zeit, einmal kurz mental Inventur in dieser Kommode zu machen.

Ich zeige in diesem Beitrag eine kleine Auswahl – denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr dieser „Irgendwann mal”-Ideen fallen mir ein. Vor allem in den fast drei Jahren Vollzeit-Selbstständigkeit als Lektorin hat sich so einiges angesammelt und inzwischen ordentlich Staub angesetzt.

Ich ziehe also drei kleinere Projekte aus den Schubladen, um sie hier zu zeigen – und ein riesengroßes.

Von „Irgendwann” zu „Ich mach das jetzt!” – die E-Mail-Serie

„Irgendwann mal” – so geht es nicht nur mir mit meinen digitalen unfertigen Projekten. Das höre und lese ich von so vielen wunderbaren Menschen, die ein Buch geschrieben haben. „Das mit dem Selfpublishing, das gehe ich an, sobald es bei mir ruhiger geworden ist.” Oder sobald das Manuskript fertig überarbeitet ist. Oder sobald noch drei Testlesende ihr Feedback gegeben haben. Oder sobald die Sterne in der bestmöglichen Konstellation stehen?

Bereits 2022 konzipiert, schlummert in meiner digitalen Kommode unfertiger Projekte eine E-Mail-Serie, die Autor:innen bei den ersten Schritten auf der abenteuerlichen Reise zum veröffentlichten Buch begleitet und dabei nicht nur ganz viel Mut macht, sondern mit handfesten ersten To-dos tatsächlich den ersten Teil der Wegstrecke mitgeht.

Und wenn ich das Google-Doc mit diesen Texten heute nochmal durchlese, stelle ich fest: Soo viel Staub hat die Idee gar nicht angesetzt. Die E-Mail-Serie gefällt mir immer noch wahnsinnig gut! Sie blieb nur stetig hinter meinen eigenen „Aber erst muss ich noch”s zurück.

Aus der Schockstarre zum magnetischen Klappentext – der Workshop

So unfertig war diese Idee zunächst gar nicht, ganz im Gegenteil: Für das Buch-Bubble-Bundle vom Write-Choice-Club habe ich im Sommer 2024 erfolgreich einen Live-Workshop zum Thema „Klappentext schreiben” beigesteuert. Ich liebte alles daran: die Konzeption, die Vorbereitung und Erstellung und am Ende auch den tatsächlichen Workshop via Zoom. Als ich hinterher die Aufzeichnung der zwei Stunden nochmal ansah, fand ich: Daraus lässt sich noch mehr machen!

Und so wurde aus einem erfolgreichen Workshop ein neues unfertiges Projekt, denn dabei blieb es vorerst auch …

Den eigenen Klappentext schreiben. Die Erfahrung und der Blick in die Autor:innenwelt zeigen mir: Es gibt nur wenig, das Schreibenden eine solche Grusel-Gänsehaut beschert. Nicht umsonst gilt der Klappentext als Königsdisziplin. Immerhin entscheidet dieser kleine Text auf der Buchrückseite für viele, ob sie das Buch dann auch kaufen und lesen möchten. Da ist es nur verständlich, wie viel Respekt es einflößt, einen solchen Text dann auch schreiben zu müssen.

Ich als Lektorin mit Marketingagentur-Background bin hingegen ein riesengroßer Fan von Klappentexten – und dem Prozess, der sie entstehen lässt. Es ist kein so großes Hexenwerk, wie viele befürchten. Und dieser Workshop, den ich vor zwei Jahren gehalten habe, hat da wunderbar hindurchgeführt. (Ja, man darf sich durchaus auch mal selbst auf die Schulter klopfen!)

Zu schade eigentlich, dass ich ihn nicht für eine weitere Runde wiederaufgelegt habe. Oder aus der Aufzeichnung keine Masterclass zum Selbstlernen geworden ist – denn das wollte ich der 1:1-Begleitung, die ich zum Klappentext anbiete, eigentlich gerne als weitere Option hinzufügen.

Vom stillen Kämmerlein zur Community I – die Café-Talks

Nicht nur das Autor:innendasein ist oft eine einsame Angelegenheit; auch als Lektorin sitze ich die meiste Zeit einfach alleine zuhause an meinem Schreibtisch. Dabei kenne ich so tolle Kolleg:innen und andere Kreative, mit denen ich super gerne im Austausch bin. Da lag der Gedanke doch nahe, etwas Gemeinsames auf die Beine zu stellen.

Eine dieser kreativen Personen ist Larissa von Elara Studio – die mir auch mein wunderbares Webdesign gezaubert hat. Vor inzwischen zwei Jahren (hach, 2024, du wildes Jahr voller Plot-Twists) planten wir eine gemeinsame Blog-Serie, in der wir bei einer Tasse Kaffee über Themen sprechen wollten, die unsere beiden Communities bewegen – Immerhin macht Larissa nicht nur Brand- und Web-Design, sondern arbeitet als Illustratorin und Coverdesignerin ebenfalls mit Autor:innen zusammen.

Das ist dann an dieser Stelle wohl ein Geständnis: Über Konzeption und erste Stichpunkte für unseren ersten Beitrag der Blog-Serie kamen wir nie hinaus (und das lag alleine an mir!).

Wobei … Es gibt da ja noch diese gemeinsamen Fotos von unserem ersten Café-Talk. Professionell? Vielleicht. Voller Freude? Auf jeden Fall!

Vom stillen Kämmerlein zur Community II – das Retreat

Die größte der Ideen in meiner Kommode. Der Traum. Ein Schreib-Retreat für eine Gruppe an Autor:innen. Eine schöne Unterkunft buchen, ein Zeitfenster festlegen, ein Programm erstellen, das den Sweet-Spot findet zwischen angeleiteter Kreativität und kreativem Freiraum. Gemeinsam schreiben, plotten, planen. Motivieren, machen, träumen. Gemeinsam dieses irrsinnig schöne Abenteuer leben.

Mir war und ist klar, dass ein solches Retreat kein kleines Projekt ist, das man im ersten oder zweiten Jahr Selbstständigkeit mal eben ins Leben ruft. Mir war klar, dass das etwas ist, für das die Zeit reif sein muss.

Und so ist mir auch klar, dass von allen Dingen aus meiner Kommode unfertiger Projekte das Retreat dasjenige ist, das – Stand heute – wohl auch immer ein Traum bleiben wird.

Aus der Kommode auf die Werkbank

Ungeachtet der Wortwahl, mit der Alexandra zu ihrer Blogparade aufrief: Ich betrachte meine nicht umgesetzten Ideen nicht als „Projektfriedhof”. Mir gefällt der Gedanke an eine Krimskrams-Schublade unter einer Werkbank viel besser. Alles im Fluss, alles lebendig – und was ich doch noch angehen möchte, ist nur einen Handgriff entfernt.

Tatsächlich habe ich beim Schreiben dieses Beitrags richtig Lust bekommen, das eine oder andere Projekt wiederaufzunehmen. Gerade die E-Mail-Serie war ja so gut wie fertig – und dass mir die Texte immer noch gefallen, ist vermutlich Zeichen genug. Von „Irgendwann mal” zu „Ich mach das jetzt!” also auch für mich? Lily an Lily: Yes! Tu es!

Und es wäre doch zu schade, die Aufzeichnung des gelungenen Klappentext-Workshops in der Schublade verstauben zu lassen. Ich weiß noch nicht, ob das noch in diesem Jahr klappt – aber auch dieses Projekt lege ich mal behutsam zurück auf die Papiervogel-Werkbank.

Alles andere wird sich zeigen. Manchmal ist es ja so, dass Ideen in einer Krimskrams-Schublade nicht verstauben – sondern reifen.

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Bild von Lily Nickert | Lektorat & Korrektorat

Lily Nickert | Lektorat & Korrektorat

Die Welt braucht deine Geschichten! Mein Name ist Lily und ich bringe mit Lektorat Papiervogel dein Buch zum Fliegen. Bereit, den Rucksack zu schultern und diese ganz besondere Reise mit deinem Roman oder Sachbuch anzugehen?

2 Kommentare zu “Die Kommode unfertiger Projekte – was darf auf die Werkbank?”

  1. Liebe Lily,

    Oh man das sind wirklich alles sooo tolle Ideen. Auf das Schreibretreat hätte ich persönlich ja wirklich Lust drauf 😅. Noch schöner finde ich, dass du deine unfertigen Projekte nicht als Projektfriedhöfe bezeichnest. Und noch schöner dad du Lust bekommen hast davon was fertig zu machen. Danke das du bei meiner Blogparade mitgemacht hast.
    Herzliche Grüße Alexandra

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